Schlaganfall – wenn jede Minute zählt

Shownotes

Jährlich erleiden etwa 20.000 bis 25.000 Personen in Österreich einen Schlaganfall. Außerdem ist Schlaganfall in Österreich die dritthäufigste Todesursache. Er rangiert gleich hinter anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Aber etwa 90 % aller Schlaganfälle sind auf beeinflussbare Faktoren zurückzuführen. Das heißt, man kann etwas dagegen tun. Darüber spricht Gastgeberin Erika Sander in dieser Episode von HÖRENSWERT mit Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Julia Ferrari, Fachärztin für Neurologie und Leiterin der der Abteilung für Neurologie, Neurologische Rehabilitation und Akutgeriatrie im Krankenhaus Barmherzige Brüder Wien.

Weiterführende Informationen sind zu finden auf der Info-Website leben-mit-schlaganfall.at und auf der Website der Österreichischen Schlaganfall-Gesellschaft https://ögsf.at

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Produktion: Georg Gfrerer/www.audio-funnel.com

Konzept und Grafik: accelent communications/www.accelent.at

Transkript anzeigen

00:00:04: Hörnswert – der Podcast der österreichischen Gesellschaft von Goldenen Kreuze.

00:00:18: Herzlich willkommen zur Hörnenswert, unserem Gesundheits-Podcast!

00:00:22: Heute geht es um das Thema Schlaganfall wenn jede Minute zählt.

00:00:26: Wussten Sie, dass zwanzig bis fünfundzwanzig tausend Personen in Österreich jährlich einen Schlaganvall erleiden?

00:00:33: Damit ist der Schlagan fall die Todesursache Nummer drei in Österreich gleich hinter den Herzkreisler Verkrankungen und Krebs.

00:00:41: Die gute Nachricht ist, es hat sich ganz viele in den letzten Jahren getan und die Sterblichkeit durch Schlaganfälle ist rastisch gesunken.

00:00:49: Und

00:00:50: etwa neunzig Prozent aller Schlaganpfälle können wir beeinflussen, denn es geht um Lebensstilfragen!

00:00:57: Und all diese Themen diskutiere und bespreche ich heute mit Julia Ferrari.

00:01:02: Julia Ferrari – Ich darf dich duzen weil wir uns auch so kennen.

00:01:06: Julia Ferrari ist Fachärztin für Neurologie und Leiterin der Abteilung für Neurologie, neurologische Rehabilitation und akut Gerhard Dree im Krankenhaus beim herzige Bruder Wien.

00:01:17: Herzlich willkommen!

00:01:19: Vielen Dank Erika für die nette Einleitung.

00:01:21: Ja liebe Julia wir sprechen heute über den Schlaganfall aber was ist denn das überhaupt?

00:01:28: Also der Schlaganfall, ich glaube ganz wichtig ist einmal.

00:01:31: Es gibt verschiedene Arten des Schlaganfalls und die wichtigste Unterscheidung ist das eine ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn.

00:01:37: Das sind ungefähr achtzig Prozent aller Schlaganfälle und das zweite ist wenn ein Gefäß platzt und es kommt zu einer Blutung ins Gehirnt.

00:01:46: Die häufigere Variante eben diese durchblutungen Störungen da ist es so dass Zu wenig Sau oder eigentlich in beiden Fällen aber zu wenig sauerstoff in ein bestimmtes Gebiet im Gehirn kommt und dann eben kommt es zu sogenannten Funktionsausfällen, also klassische Schlagernfallsymptome wie halbseitige Lähmung, Sprachstörung, Sehstörung etc.

00:02:07: Und

00:02:07: jetzt wir haben ja gesagt jede Minute zählt das kann ich mir gut vorstellen.

00:02:11: wenn so ein Gefäß nämlich dann platzt dann muss umgehend was passieren oder?

00:02:16: Richtig.

00:02:16: Also in beiden Fällen, bei der Durchblutungsstörung und wenn das Gefäß Platz ist die aller-allerwichtigste Aussage dieses sogenannte Time-is-Brain also jede Minute bzw.

00:02:27: jeder Sekunde zählt weil wir wisten dass pro Minute ungefähr eins Komma neun Millionen Nervenzellen zugrunde gehen.

00:02:35: Und bei den Nervenzählen ist leider nicht so wie zum Beispiel in der Leber da regeneriert sich alles immer relativ schnell Bei den Nerfen ist es nicht so.

00:02:41: das heißt dann muss man wirklich aufpassen Und wenn diese Zellen nicht funktionieren, dann ist eben dieser Funktionsausfall da.

00:02:49: Wie kann ich mir jetzt sein Symptom vorstellen?

00:02:52: Also wenn das schleichend ist und vielleicht auch diesen Akutfall – das muss ja wahrscheinlich unterschiedlich sein!

00:02:58: Ja,

00:02:58: Schleichend gibt es beim Schlaganfall eigentlich nicht weil das Wort heißt ja schon Schlagartig Anfallsartig tritt das Symptome auf.

00:03:06: also es ist wirklich so dass es von einer Sekunde auf die andere da ist.

00:03:10: Symptomen können sich verschlechtern Aber auftreten tun sie recht akut.

00:03:15: Ja, vorstellen.

00:03:16: also eines der häufigsten Symptome ist zum Beispiel eine halbseitige Lähmung.

00:03:21: Also es kann jemand wirklich plötzlich eine Körperhälfte nicht mehr bewegen oder eine Sprachstörung, Sprach- oder Sprechstörung.

00:03:29: Wenn jetzt jemand einen Satz nicht mehr gut aussprechen kann oder unbeutlich spricht – akut!

00:03:34: Auch das ist einer der Akutsymptome.

00:03:36: Plötzliche Sehstörungen auf einem Auge Auch Schwindel kann einmal ein Symptom sein, obwohl das oft mit anderen Symptomen vergesellschaftet ist.

00:03:44: Jetzt haben wir gesagt, also gut im Ernstfall sofort die Rettung rufen.

00:03:48: und wir haben auch gesagt in den letzten Jahren hat sich ganz viel getan an Therapiemöglichkeiten aber auch wenn ich das richtig verstanden habe im Krankenhaus mit diesen Strokeunits Was ist denn jetzt eine Stroke-Unit?

00:04:01: Und was muss ich sagen, wenn ich die Rrettung rufe ja damit jemand auch auf seine Strokeunit dann kommt.

00:04:07: Gut, also was ist eine Stroke-Unit?

00:04:09: Eine Stroke Unit ist eine Schlaganfallspezialeinheit.

00:04:13: Also man stellt sich das so vor, dass es eine Station mit Betten und Überwachungsmöglichkeiten... Und das Besondere an dieser Schlaganfallspezialeinhalt ist, dass eben die Patienten dort einerseits akut versorgt werden, überwacht werden und andererseits aber auch ein multiprofessionelles Team zuständig Pflege, Ärzte aber auch Therapeuten.

00:04:37: Vielleicht kommen wir dazu noch, aber das Wichtigste ist eben auch wenn der Gutphase vorbei ist dass man relativ schnell mit rehabilitativen Maßnahmen beginnt.

00:04:46: So jetzt hast du mich gefragt was ein Stroganet ist und... Ganz

00:04:49: wichtig!

00:04:50: Was sage ich bei der Rettung?

00:04:52: Dass sich da doch hinkommen.

00:04:53: Gut also das Rettungssystem funktioniert sehr gut.

00:04:57: es ist so dass wenn die Symptome genannt werden typische Schlagernfalls Symptomen dann weiß die Rettungsleitstelle sozusagen, welches Drog unit ist jetzt.

00:05:09: Die Nähhiste, welche angefahren wird.

00:05:12: aber mit typischen Schlaganfallsymptomen kommt man automatisch in Österreich auf eine sogenannte Stroke-Unit.

00:05:17: Das ist natürlich perfekt weil das heißt ich muss mir als Laie keine Sorgen machen wenn ich die Symptome bekannt gebe dass sich dann tatsächlich auch auf ein Stroke Unit kommen beziehungsweise derjenige für den Ich natürlich anrufe und das heißt das Team der Rettung und die Leitstellen die wissen dann Bescheid.

00:05:34: Richtig so ist es.

00:05:35: Problem ist eher die Symptome tatsächlich zu erkennen und eben auch dann so wiederzugeben, dass es sich eindeutig auch um so eine Symptomatik handelt.

00:05:44: Ja das denke ich mir.

00:05:45: aber dann kommt das Rettungsteam und die werden ja auch spezielle Untersuchungen nochmal machen, um das feststellen zu können.

00:05:52: Wichtig

00:05:53: den sogenannten FAST-Test, das ist so ein Begriff also FAST.

00:05:57: Das F steht für Face, wenn ein Mundwinkel plötzlich hängt Das A steht für Arm.

00:06:04: Ich lasse den Patienten beide Arme heben und wenn einer sich senkt, ist das eben auch ein Zeichen.

00:06:09: Und das S steht für Sprache wie ich vorher schon erwähnt habe entweder Sprachstörung also zum Beispiel einen Satz kann nicht nachgesprochen werden oder auch Sprechen, wenn jemand undeutlich spricht

00:06:22: z.B.,

00:06:23: und das T steht für Time.

00:06:25: Wie wichtig es dann ist akut zu handeln?

00:06:28: Ja, das klingt nach einem fundierten Test, den man sich wahrscheinlich auch merken kann.

00:06:33: Das heißt, das kann man vielleicht in der Zwischenzeit dann auch schon nochmal machen?

00:06:36: Der ist auch für Leiern eben sehr gut, weil er relativ schnell durchführbar ist!

00:06:40: Jetzt kommt man auf seine Stroke-Unit und ich habe dich, wenn ich dich richtig verstanden hab.

00:06:44: Also da gibt es dann dieses spezialisierte Team und das ist ja auch glaube ich der Grund warum die Heilungschancen einfach mittlerweile viel besser geworden sind weil man eben ganz spezifisch denn schon in der Oput von diesem Team ist.

00:06:57: Ist das so?

00:06:58: Richtig!

00:06:58: Das ist eines der wesentlichen Punkte dass durch dieses multiprofessionelle Team – man weiß aus vielen Daten, dass tatsächlich das Outcome besser ist Aber weil du angesprochen hast, dass sich so viel getan hat eben auch vor allen Dingen im Bereich der Akuttherapie.

00:07:16: Zum Beispiel die sogenannte Lüsetherapie also das Auflösen des Gerinselts mit deinem Medikament, das man in die Vene verabreicht gibt schon seit vielen Jahren ja aber es ist natürlich einmalig.

00:07:27: Das nächste ist, es gibt jetzt auch schon seit viele Jahren aber es war eine bahnbrechende Erneuerung ist die sogenannte mechanische Trombektomie.

00:07:35: Das bedeutet das mechanische Entfernen des Gerinsels, indem man mit einem Katheter über die Leistenatterie bis hin auf ins Gehirn fährt und das Gerinsel herausholt wenn es sich um einen großen Schlaganfall handeln lässt.

00:07:48: Also diese Dinge haben sich da hat sich sehr viel getan in den letzten Jahrzehnten eigentlich.

00:07:54: Es ist tatsächlich so, dass manche Schlaganfälle dadurch auch in Anführungsstichen heilbar sind.

00:07:59: Wenn rechtzeitig gehandelt wird, ist es möglich, dass der Patient die Patientin funktionell unabhängig aus dem Krankenhaus wieder entlassen werden kann?

00:08:09: Das sind ja tolle Neuigkeiten!

00:08:10: Jetzt habe ich aber noch eine Frage.

00:08:12: So langläufig sagt mir meine Schlaganpfälle das betrifft nur ältere Menschen.

00:08:17: Ist das tatsächlich so?

00:08:18: Nein.

00:08:19: Leider geht es nicht.

00:08:21: Es können sehr viele junge Menschen auch betroffen sein, wir wissen das ungefähr vierzehn Prozent aller Schlaganfallprozenten noch tatsächlich sogenannte Juvenile-Schlaganfälle sind.

00:08:30: Juvenil ist relativ also vor einiger Zeit was unter sechzig dann hat man ein bisschen auf unter fünfundfünfzig gesagt und mittlerweile unter fünfundvierzig.

00:08:39: Also wie auch immer es ist alles unter sechszig an und für sich jung.

00:08:43: Was man bedenken muss ist dass die klassischen Risikofaktoren ja tatsächlich auch zum Beispiel die Atherosklerose gar nicht so selten ist auch schon in dieser Alterskategorie.

00:08:54: Aber es gibt auch viele andere Ursachen wie zum Beispiel die sogenannte Dissektion, das ist ein Reisen eines Gefäßes ohne dass man jetzt irgendwelche anderen Risikofaktoren hat.

00:09:04: Das ist eine Bindegwebschwäche sozusagen und das kann das Tritt in jüngerem Alter oder durch einen Trauma

00:09:12: z.B.,

00:09:13: kann das auch häufiger auftreten?

00:09:14: Das heißt, da ist es wichtig eigentlich, dass man eben das Wichtigste ist überhaupt die Ursache zu finden.

00:09:20: Weil wenn jetzt der Schlaganfall aufgetreten ist und Diakuttherapie erfolgt, dann ist es das Wichtigste, dass bloß nicht noch einer kommt.

00:09:27: Und das geht natürlich nur, wenn man die Ursachen weiß.

00:09:30: Die ist bei jungen Patienten, Patientinnen wie gesagt auch teilweise ähnlich kann aber auch ganz unterschiedlich sein.

00:09:37: Das heißt, es wäre gut wenn jeder eigentlich von uns seine eigenen Gesundheitsparameter kennt damit er da präventiv vielleicht auch was tun kann oder?

00:09:47: Unbedingt und ich glaube dass das eben gerade Menschen in jüngerem Lebenshalter nicht so im Kopf haben wie relevant das ist.

00:09:54: Ich mein ein Beispiel des Lipoprotein A, das ist ein genetisch determinierter Risikofaktor in unserem Fettstoffwechselbereich nicht viele andere Risikofaktoren hat.

00:10:09: Und das ist zu neunzig Prozent genetisch determiniert,

00:10:12: d.h.,

00:10:12: es wäre günstig wenn jeder von uns auch in jüngerem Alter diese Werte weiß damit man dementsprechend auch und sei es mit Lebensstilmodifikation dagegen ankämpfen kann.

00:10:25: Also eigentlich eine gute Neuigkeit, man kann was tun präventiv schon und jetzt haben wir kurz das angesprochen die Reha noch wie man so kurzläufig sagt angesprochen Wie groß sind denn dann die Heilungschancen?

00:10:37: Also jeder hat irgendwie so, glaube ich nach einem Schlaganfall im Kopf.

00:10:41: Dass man diese Lähmung zum Beispiel, die man haben kann nie wieder los wird und all diese Dinge.

00:10:46: Und das sind ganz grauenhafte Bilder eigentlich, die wir so im Kopf hatten als Leier.

00:10:51: Wie ist das in der Realität?

00:10:52: Ich meine, der Schlaganfall ist sehr, sehr heterogen.

00:10:55: Das heißt es gibt ganz viel verschiedene Arten des Schlaganfalls.

00:10:59: ja!

00:10:59: Und ich glaube eines ist wichtig... nennt man die sogenannte Redundanz des Gehirns.

00:11:04: Manchmal brauche ich für eine Funktion sozusagen halt nur zwanzig von hundert Nervenzellen, das heißt es kommt beim Schlaganfall darauf an welche Region ist betroffen?

00:11:15: Und gar nicht einmal immer nur, wie groß das Gebiet ist, dass es jetzt nicht mehr durchblutet.

00:11:19: Sondern ob es in einem funktionell wichtigen Areal liegt.

00:11:22: Also ich kann eine kleine Durchblutungsstörung haben und massiv viele Ausfälle oder eine große und wenig ausfälle.

00:11:28: Und davon hängt natürlich also je nachdem was betroffen ist, davon hängen auch sozusagen der Grad der Erholung nach der Rehabilitation ab.

00:11:38: Aber wir müssen uns vorstellen wenn jetzt der Patient schon Akuteerapie bekommen hat?

00:11:43: Und es konnte jetzt nicht alles komplett aufgelöst werden und er hat noch Symptome.

00:11:47: Dann ist es so, dass das Einzige was ihm hilft an für sich die Therapie ist weil... Was machen die Therapeuten?

00:11:53: Die regen quasi von der anderen Gehirnhälfte diese also die Regionen an die die Funktion der anderen gehirn Hälfte die ausgefallen ist übernehmen sollen.

00:12:03: Das ist der Grund warum diesen Patienten dann auch viel besser geht.

00:12:07: man kann jetzt nichts sagen in welchem Prozent hat sich alle wie erholen weil wie gesagt das so unterschiedlich ist von der Art des Schlagernfalls abhängt.

00:12:16: Ja, aber in Summe ist der Ausblick ja eigentlich dann gar nicht mehr so beängstigend – zumindest nehme ich das mit!

00:12:22: Liebe Jule, vielen Dank für diese verständlichen Erklärungen zu dieser doch etwas komplexen, wie ich finde, Erkrankung.

00:12:30: und ja liebe Hörerinnen und Hörere wenn sie noch interessiert welche Mythen- und Irrtümer es Weiter gibt zum Thema Schlaganfall, dann hören Sie doch einfach in zwei Wochen noch mal rein.

00:12:41: Alle relevanten Informationen zu dem heutigen Podcast der Mini-Serie haben wir Ihnen in die Shownutz gestellt!

00:12:47: Vielen Dank!

00:12:50: Das war Hörnswert – der Podcast der österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuzer.

00:12:55: Mein Name ist Erika Sander.

00:12:57: Die ganze Folge zum Nachhören und Weiterleiten finden sie auf der Homepage unter www.oeggk.at und überall wo es Podcasts gibt.

00:13:10: Wir freuen uns auf Kommentare und Likes, um wenn Sie keine weitere Folge verpassen möchten dann abonnieren sie einfach Hörnswert!

00:13:18: Ich freue mich auf das nächste Mal und wünsche Ihnen bis dahin alles Gute und viel Gesundheit.

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